Gedanken zu Grass‘ später „Lebensbeichte“

17 August, 2006 at 12:44 pm (Uncategorized)

Literatur-Nobelpreisträger Günther GrassIn der Ausgabe vom Dienstag, dem 15. August, hatte der Chefredakteur der Zürcher Tageszeitung „Tages-Anzeiger“ den Literatur-Nobelpreisträger Günther Grass scharf angegriffen. Unter dem Titel „Kleiner Grass, grosser Adenauer“ sprach er Grass jegliche Berechtigung ab, die seines Erachtens moralisch integre Lichtfigur Adenauer zu kritisieren. Konrad Adenauer, erster Kanzler der BRD.

Zu viel Schwarz-Weiss für meinen Geschmack, zumal auch die Weste des Herrn Adenauer nicht so blütenweiss war, wie es Herr Hartmeier wohl gerne hätte.


Umso schöner, dass mein Leserbrief nur zwei Tage später integral abgedruckt wurde (wieder einmal bewährt sich die Maxime, dass 1000 Anschläge inkl. Leerzeichen nicht überschritten werden sollten). Für alle, die den Tages-Anzeiger vom 17. August 2006 nicht lesen können, folgt hier das Zuschreiben im Wortlaut:

Im langen Schatten des III. Reiches

Leserbrief zu Peter Hartmeier Kommentar zu Günther Grass’ NS-Vergangenheit

Mit grossem Erstaunen habe ich Peter Hartmeiers Kommentar zu Günther Grass’ spätem Eingeständnis gelesen, wonach dieser als 17-jähriger in der SS gedient habe. Schon der Titel «Der kleine Grass und der grosse Adenauer» stimmte mich mulmig. Dass Hartmeier es in der Folge fertig bringt, Grass jegliche Legitimität zur Kritik abzusprechen und zugleich Konrad Adenauer als Lichtfigur ohne jeden Schatten zu stilisieren, ist schlicht stossend. Denn war es nicht Adenauer, der einen Hans Globke zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt ernannte? Denselben Globke, der in seiner früheren Anstellung im Reichsinnenministerium einen menschenverachtenden Kommentar zu den Nürnberger Rassengesetzen verfasst hatte? Es sind der Lebenslügen viele gewesen im Deutschland der Nachkriegszeit. Und man mag von Grass’ spätem Eingeständnis halten, was man will. Aber man soll nicht Adenauer zu einer Lichtfigur stilisieren, die weit über den langen Schätten des Dritten Reichs stand. 

So, das musste raus.

Der Zeitung „Tages-Anzeiger“ danke ich für den unverstümmelten Abdruck.

 Der umstrittene Staatssekretär Hans Globke, im Amt von 1953 - 1963Ach ja: Mehr zu Globke gibts hier: http://www.stattfuehrer.de/fenster/globke.html

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