9/11 – Fünf Jahre danach

12 September, 2006 at 4:02 pm (Uncategorized)

Neulich, auf einem indischen Strand...Gestern war also das «Jubiläum» der Anschläge vom 11. September 2001.

Ein Anlass nicht nur für schwülstige Erinnerungsrituale, sondern auch für eine Vielzahl von TV-Reportagen. Und für unzählige Verschwörungstheoretiker, sich mal wieder zu Wort zu melden. Und wo Verschwörungstheorien die Runde machen, ist der eiskalt analysierende Verstand als Gegenmittel gefragt.

 Für viele Leute scheint eines klar: Bush und Bin Laden sind dicke Freunde und haben die Twin Towers gemeinsam gesprengt, um den Ölpreis in die Höhe zu treiben, explodierende Rüstungsausgaben und Eroberungsfeldzüge zu rechtfertigen.

Das Trio Infernale (von links): Der Böswillige, die Null und der DummschwätzerSo zumindest meinen das die Verfechter der «LIHOP»- (Let it happen on purpose) respektive der «MIHOP»-Hypothese (Make it happen on purpose). Diese gehen davon aus, dass die US-Regierung unter der Dumpfbacke George W. Bush, dem finsteren Fürsten Dick Cheney und dem Dummschwätzer Donald Rumsfeld die Anschläge vom 11. September willentlich geschehen liess (LIHOP) respektive aktiv veranlasste (MIHOP).  Obwohl ich meilenweit davon entfernt bin, der momentanen US-Administration charakterliche Integrität oder auch nur den Ansatz der Eignung zur Macht zu attestieren, scheinen mir diese Erklärungsversuche doch sehr gewagt.

Eine Bedrohung der freien Welt oder ein willkomenes Feindbild? Bin Laden, Osama.Denn sie gehen davon aus, dass in Washington irgend jemand mit Entscheidungsbefugnis im Sommer 2001 einen blassen Schimmer davon hatte, wer denn die «Al Qaeda» sei und was sie als nächstes vorhabe. Bereits die Clinton-Administration reagierte 1998 auf die Attacken auf die US-Konsulate in Dar-es-Salaam und Nairobi reichlich hilflos mit völkerrechtswidrigen Angriffen, indem Marschflugkörper auf Afghanistan gepfeffert wurden – den mutmasslichen Aufenthaltsort Osama bin Ladens. Cruise Missiles gegen Terroristen: Das kann ja nicht gut gehen. 

Pakistans Machthaber Musharraf2001 wiederholte sich dieses Vorgehen: Als Reaktion auf den Terroranschlag einer nichtstaatlichen Organisation liess die weltweit führende Militärmacht ihr gesamtes Arsenal auf einen ohnehin zu Grunde gerichteten, gescheiterten Staat wie Afghanistan los.

Dabei hätte es wohl mehr gebracht, sich beim «guten Freund» Pervez Musharraf nicht nur nach dem Stand des geheimen Atomprogramms der Pakistanis und ihrem Proliferations-Netzwerk zu erkundigen, sondern auch gleich nach dem Aufenthaltsort des mutmasslichen Terrorfürsten Osama bin Laden, den man in den 80er-Jahren noch gegen die Sowjets aufgerüstet hatte. Wie man auch Saddam Hussein als Garanten gegen den schiitischen Radikalismus des Iran in jener zeit grosszügig aufrüstete. Saddam, als er noch in Bagdad schaltete und waltete.

Als bin Laden trotz des Grosseinsatzes in Afghanistan nicht zu fassen war, musste ein neuer Bösewicht her, und Saddam Hussein war eine naheliegende Variante. Also galt es für die US-Administration, zuerst Druck aufzubauen (mit den unvergessenen Lügen vor dem UN-Sicherheitsrat), dann eine «Koalition der Willigen» zu schmieden (unter Umgehung der UNO und bestehend aus Staaten, deren Wille und Bedarf nach US-Hilfe oft dramatisch grösser war als deren militärische Potenz, obs nun um Tuvalu, Rumänien oder Polen geht) und in der Folge einen von 12 Jahren Sanktionsregime geschwächten Staat in beeindruckend kurzer Zeit niederzuwerfen. Dass es einfacher ist, einen Krieg (zumal gegen einen geschwächten Gegner) zu gewinnen als danach den Frieden zu verwalten, dürften dreieinhalb Jahre nach Bush’s grosskotziger «Mission accomplished»-Rede auf einem Flugzeugträger im Persischen Golf auch dem letzten Strategen im Pentagon einleuchten.

Was haben die USA daraus gelernt? Offensichtlich nichts, wenn man das neuste Säbelrasseln der Herren Cheney, Rumsfeld und Bolton gegen den Iran vernimmt.

Treffende Karikatur in Sachen Bush/Menschenrechte, von sparkpod.comWorauf will ich hinaus? Die ganzen «on purpose»-Erklärungsansätze sind meines Erachtens unbrauchbar, da komplett überzogen. Ich vertrete statt dessen die Position «Let it happen by neglect», also eines Geschehenlassens aus Desinteresse: Die USA wurden im Schlaf des Selbstgerechten knallhart erwischt (9/11). Seitdem ist die Administration Bush bemüht, diese Tragödie in (aussen- wie innen)politisches Kapital umzumünzen, unter Missachtung des Völkerrechts und der Menschenrechte nota bene. Nun behauptet niemand, dass sich Terroristen um diese Rechte kümmern, aber soll man sich deshalb auf deren Niveau hinunter begeben? Nach Meinung der derzeitigen US-Administration ja. Nach meiner Meinung nein.

Und die Verschwörungstheorien, die wilden Geschichten, wonach US-Geheimdienste die Twin Towers gesprengt hätten? Hier sehe ich eine gute Portion Alltagsrassismus am Werk: Weil man nicht glauben kann und will, dass ein paar dahergelaufene Wüstensöhne das Symbol amerikanischer Finanzmacht und Schaffenskraft mit Hilfe von Passagierjets (oder genauer: von simplen Teppichschneidern) dem Erdboden gleich machen können, müssen es finstere Geheimdienstleute gewesen sein. Weisse Amerikaner in gut sitzenden Anzügen, mit dunklen Rayban-Sonnenbrillen. Auf keinen Fall aber Araber, denn die bringen so eine koordinierte Attacke nicht auf die Reihe, sondern höchstens eine Selbstmord-Attacke eines Einzelnen.

Für mich ist klar, dass jeder Wolkenkratzer vom Format eines WTC eine baustatische Gratwanderung darstellt. Im Falle des WTC wurde das Gebäude sowohl von einer tragenden Aussenhülle wie auch vom Gebäudekern getragen. Die Schädigung der Aussenhülle beim Aufprall der beiden Flugzeuge sowie das heftige Feuer im Innern, das sich über mehr als zehn Stockwerke verbreitete, reichen meines Erachtens sehr wohl aus, um die ohnehin grenzwertige Statik so nachhaltig zu stören, dass der ganze Turm in sich zusammen kracht.

Schritt für Schritt: Wie der Nordturm zu Boden gingUnd zwar in Folge des Versagens eines stützenden Elements an der am meisten durch Hitze geschwächten Stelle, das einen Dominoeffekt auslöst: Kracht ein Stockwerk in sich zusammen, führt dies zu Lastspitzen, die zum Versagen des nächsten führen etc. Dazu brauchts weder Sprengstoff noch finstere Geheimdienst-Typen. Und schon gar keine blühende Phantasie, die im Rauch Teufelsfratzen erkennen will. Sondern nur ein paar clevere Araber (die gibt’s), welche sich die Schwächen der Turm-Konstruktion ausgeguckt  und zu einem bis dahin unvorstellbaren Instrument gegriffen haben, um ebendiese auszunutzen.

Am Versagen der US-Administration im Vorfeld von 9/11 und ihrer komplett überzogenen Reaktion danach, die ganz wesentlich auch der Durchsetzung einer ohnehin bereits vorhandenen Agenda dieser Regierung diente, ändert dies nichts. Aber es macht klar, dass eben diese Regierung, die sich als Garanten der Sicherheit an der Heimatfront durch Entschlossenheit im «Krieg gegen den Terror» brüstet, im Vorfeld von 9/11 ihren Pflichten nicht nachgekommen ist.

Mein Fazit:  

1. Mein Beileid gilt den Angehörigen der Opfer der Anschläge vom 9/11. Und denjenigen der Opfer aller folgenden Kriege, welche die Bush-Administration seither vom Zaun gerissen hat. In Afghanistan, im Irak – und was noch kommen möge, so niemand diese Administration daran hindert.

 2. Terrorismus als besonders schwere Form der Kriminalität gilt es mit polizeilichen und nicht mit militärischen Mitteln zu bekämpfen.

3. Wer der Welt die Freiheit «als Geschenk Gottes an die Menschheit» bringen möchte, sollte nicht damit beginnen, dass er die Bürgerrechte im eigenen Lande beschneidet oder gar eklatant missachtet.

4. Geistiger Brandstifter, Pessimist, Idiot: Samuel HuntingtonWer wirklich etwas für den Frieden und die Freiheit auf dieser Welt tun möchte, sollte sich für den interkulturellen Dialog einsetzen und auf Schwarzweiss-Denken verzichten – und vor allem das Huntingtonsche Paradigma vom unvermeidlichen «Clash of the Cultures» auf den Komposthaufen untauglicher Thesen entsorgen. Falls diese Schnappsidee Huntington’s überhaupt biologisch abbaubar ist. Was ich dringend bezweifle.

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Kidrobot landet in der Schweiz

12 September, 2006 at 1:51 pm (Uncategorized)

Die Sprachgrenze D/F, auch als «Röstigraben» bekannt. PS: Sprechen Tessiner Deutsch?Unter dem «Röstigraben» verstehen wir in der Schweiz die Sprachgrenze, und zwar vornehmlich die zwischen der Deutschschweiz und der Romandie.

Denn genau genommen handelt es sich bei «der Schweiz» nicht um einen ohnehin schon kleinen Markt von sieben Millionen Konsumenten (also in etwa dem Äquivalent eines anständigen Grossstadt, und damit meine ich kein aufgemotztes Dorf wie Zürich, sondern eine Weltstadt von Format).

Statt dessen haben es Medienschaffende und Werbetreibende mit drei separaten Märkten zu tun: Etwa 5 Millionen im deutschsprachigen Teil des Landes, nochmals 1.5 Millionen in der französischsprachigen Romandie und ca. 200’000 Tessiner.

Dieser «Röstigraben» führt auch dazu, dass manche Dinge haarscharf unter dem Radar der Wahrnehmung bleiben. Dagegen hilft nur eines: Tapfer den besagten «Röstigraben» zu überwinden und sich dem jeweils anderen Landesteil zu stellen. Das Château de l'Aile - zu kaufen für 1 Schweizer FrankenWährend dies viele Deutschschweizer um die Osterfeiertage mit dem Tessin so praktizieren und dieses ganz unbescheiden als «ihre Sonnenstube» bezeichnen, ist die Kontaktdichte zwischen der Deutschschweiz und der Romandie geringer.  

Umso grösser war darum meine Freude, als ich mit meinem Bruder zusammen nach Vevey am Genfersee fuhr, um im Rahmen der Design-Ausstellung der Lausanner Agentur «My Playground» im Innenhof des Château de l’Aile zwei Dutchtub-Wannen einzuheizen. 

Denn unter den verschiedenen Ausstellern auf dem Schlossgelände entdeckte ich auch die Genfer Jungs von «Character Station».

Diese führen einen guten Teil des Sortiments des US-Onlineshops «Kidrobot.com», und zwar vom kleinen Schlüsselanhänger bis zu Postern und Kunststoff-Statuetten für die heimische Vitrine. Mit am Start sind neben Klassikern wie dem «Smorking Labbit» auch die Kidrobot-Figuren in verschiedensten Designs. Schlüsselanhänger von Kidrobot - jetzt auch in der Schweiz erhältlich.

 Klar, dass ich die Gelegenheit beim Schopf gepackt und mir für bescheidene 14 Franken einen Kidrobot-Schlüsselanhänger aus der zweiten Serie gesichert habe. Bei meinem Modell «Blood» ist die blütenweisse Kleidung der Figur mit neckischen Blutspritzern «verziert» (obere Reihe im Bild: 3. von links).

Ha, Freude herrscht!  

A propos Freude: In der Ausmarchung um den «Philipp Morris»-Sonderpreis, für den Journalisten wie normale Besucher der Ausstellung ihre Stimme abgeben durften, schwang der Dutchtub ganz knapp gegen das Lausanner Label «Article» mit seinen originellen Gimmicks obenaus – was mit 1000 Fränkli entlöhnt wird. Wärme, sichtbar: Die Sonne machts möglich! 

Eine schöne Anerkennung für die Arbeit, die mein Bruder in den vergangenen beiden Jahren geleistet hat, um das Produkt an diversen Messen, Ausstellungen und Sportevents in Aktion zu zeigen und somit bekannter zu machen. Aber der Dutchtub startet halt auch mit dem Wellness-Vorsprung, denn in einer Kerze kann man nun einmal kein entspannendes, warmes Bad nehmen.  

http://www.characterstation.com

http://www.myplayground.biz/site/

http://www.dutchtub.ch

Badevergnügen nach geschlagener (Design-)Schlacht

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